Kühnen: Porträt einer deutschen Karriere

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Artikelnummer: ISBN: 978-3-87336-568-1 Kategorien: , Schlüsselworte: , , , , , , ,

Beschreibung

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Die erste umfassende, wissenschaftliche Lebensbeschreibung über Michael Kühnen, der in den 1970er und 1980er Jahren als die unbestrittene Führungspersönlichkeit des bundedeutschen Neo-Nationalsozialismus galt.

Michael Kühnen war Schüler des elitären Bonner „Collegium Josephinum“, Leutnant der Bundeswehr, Vertrauter des linksstehenden jüdischen Dichters Erich Fried – und dennoch die zentrale Führungspersönlichkeit der bundesdeutschen Nationalsozialisten in den 1970er- und 80er Jahren. Wegen seines Kampfes für die Wiederzulassung der NSDAP als legaler Partei in Deutschland, den er gewaltfrei führte, verbrachte er acht Jahre seines Lebens hinter Gittern. Insgeheim aber träumte er von einem ungezwungenen Leben ohne jede politische Ambition im bolivianischen Exil. Sein Name: Michael Kühnen. An der Frage seiner Homosexualität spaltete sich seine „Bewegung“ 1986; er starb 1991 mit nur 35 Jahren an AIDS und geriet bald in Vergessenheit. Seine Urne wurde geraubt und ist seitdem spurlos verschwunden – so wirkten seine Feinde ungewollt an Kühnens selbst gewähltem Mythos mit. Unter Auswertung sämtlicher erreichbarer Quellen wirft der Verfasser einen stereoskopischen Blick auf den Menschen Michael Kühnen. So entstand ein eindrucksvolles Porträt dieses widersprüchlichen Mannes, wie auch seiner politischen Bewegung.

Er war die zentrale Führungspersönlichkeit der bundesdeutschen Nationalsozialisten einer neuen Generation – und zugleich vertrauter Gesprächspartner des linken jüdischen Dichters Erich Fried. Er kam aus einem gutbürgerlichen, liberalen und streng katholischen Elternhaus, besuchte bis zu seinem Abitur das traditionsreiche und elitäre „Collegium Josephinum“ in Bonn, erwarb als Jahrgangsbester das Offizierspatent der Bundeswehr – und kämpfte für die Wiederzulassung der NSDAP als legaler Partei in Deutschland, womit er die Bonner Republik weit über ein Jahrzehnt lang in Atem hielt. Wegen des von ihm zwar gewaltlos, jedoch mit stoischer Beharrlichkeit verfolgten Zieles der Aufhebung der NS-Verbotsgesetze, verbrachte er annähernd acht Jahre seines Lebens hinter Gittern. In der Haft schrieb er zahlreiche Bücher, in denen er seine äußerst gewagte Vision eines modernen, aktualisierten nationalen Sozialismus mit „menschlichem Antlitz“ und die völlig utopische Fiktion eines „SA-Staates“ vorstellte. Zu seinem „geistigen Ziehvater“ hinter Gefängnismauern wurde Willi Krämer, einst Amtschef im Stab von Rudolf Heß und nachmaliger Stabsamtsleiter der Reichspropagandaleitung. Insgeheim aber träumte er von einem freien und ungezwungenen Leben ohne jede politische Ambition im bolivianischen Exil. Sein Name: Michael Kühnen.

Kühnen, Jahrgang 1955, verstand es geschickt die modernen Medien für seinen politischen Kampf zu instrumentalisieren, polarisierte bei Freund und Feind und stand stets im Rampenlicht des öffentlichen Interesses. Politische Gegner, Journalisten und Politikwissenschaftler zeigten sich bei persönlichen Begegnungen mit ihm immer wieder überrascht, daß sie es mit einem höflichen Intellektuellen und undogmatisch denkenden und argumentierenden Gesprächspartner zu tun hatten, der so gar nicht in das gängige, eindimensionale Klischee des „Nazis“ passen wollte.

Ungeachtet der Tatsache, daß Kühnen seiner Organisation den Weg des gewaltfreien Widerstandes vorschrieb, wurde die von ihm geführte ANS/NA Ende 1983 nach einer Phase des ungebremsten Aktionismus vom Bundesministerium des Inneren verboten. 1984 ging Kühnen ins Exil nach Paris, um von dort aus den Aufbau einer „Europäischen Bewegung“ voranzutreiben, wurde jedoch schon bald von der französischen Regierung Mitterand an Deutschland ausgeliefert. In einem aufsehenerregenden Prozess, während dem sich zahlreiche prominente Linke und jüdische Intellektuelle für ihn einsetzten, abermals zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt, fiel der bis dahin von seiner Anhängerschaft verehrte und unangefochtene „Chef“ am Ende seiner eigenen Weltanschauung zum Opfer; innerhalb seines Führungskaders kam es zum Aufstand gegen den homosexuellen Kühnen und die von ihm gegründete „Bewegung“ spaltete sich. Auch seine nach der Entlassung gegründete Organisation „Nationale Sammlung“ wurde sofort vom Staat zerschlagen. Kühnens Stern begann zu sinken; erst der Fall der Mauer brachte ihm wieder unverhofften Aufwind. Die von ihm gelebte Strategie „konsequent durch die Gefängnisse der Bundesrepublik zu gehen“, wie auch seine Konzeption des „politischen Soldatentums“ erwiesen sich jedoch bereits Anfang der 1990er Jahre als nicht mehr zeitgemäß und waren somit gescheitert. „Letztlich waren wir zu wenige“, bekannte der an AIDS Erkrankte noch wenige Tage vor seinem Tod.

Michael Kühnen starb im April 1991 mit nur 35 Jahren und geriet bald in Vergessenheit. Über den Ort seiner letzten Ruhestätte entbrannte ein monatelanger Rechtsstreit, die Beisetzung seiner Asche erfolgte unter bürgerkriegsähnlichen Umständen, seine Urne auf dem Westfriedhof in Kassel wurde wenig später von sog. Autonomen geraubt und ist seitdem spurlos verschwunden. So wirkten seine Feinde ungewollt an Kühnens selbstgewählten Mythos mit; Unauffindbarkeit als Mittel dauerhafter Gegenwart.

Über Michael Kühnen ist bislang keine Monographie erschienen. Werner Bräuningers sauber recherchierte Arbeit ist die erste umfassende Lebensgeschichte dieses von zahlreichen Legenden umwobenen Mannes und schließt eine auffällige Lücke in der geschichtswissenschaftlichen Betrachtung. Seine biographische Darstellung nähert sich der Persönlichkeit Kühnens kritisch und sachlich-distanziert an, ordnet ihn und seine politischen Positionen innerhalb der deutschen Nachkriegsära auch ideengeschichtlich ein und schildert den extraordinären Lebenslauf eines auf der äußersten extremen Rechten agierenden „Überzeugungstäters“. Mit akribischer Sorgfalt beleuchtet er Kühnens Kindheit und Jugend in Bonn und Düsseldorf, die Schulzeit am katholisch geprägten Josephinum, den jungen Bundeswehrleutnant, die Gründung der Hamburger ANS, der späteren ANS/NA, seinen Weg ins Pariser Exil, den großen Frankfurter Prozess von 1985, die langen Jahre der Haft in Celle und Butzbach, seine enge Beziehung zu Erich Fried, die Spaltung seiner „Gesinnungsgemeinschaft“ im Juli 1986 und die sich daran anschliessenden heftigen Richtungskämpfe, den rastlosen Aktionismus im Anschluss an seine zweite Haftzeit, die Ausdehnung von Kühnens Truppe nach Osten im Gefolge des Mauerfalls, sowie die tragische und nahezu kafkaeske Odyssee des unheilbar an AIDS erkrankten Kühnen in den letzten Monaten vor seinem langsamen Tod. Vor allem aber wirft der Verfasser immer wieder einen stereoskopischen Blick „durch die Seitentür“ auf den Menschen Michael Kühnen.

Erstmals wertete der Autor zahlreiche erstrangige Quellen aus Privatbesitz aus, so etwa die vollständige Korrespondenz zwischen Kühnen und seiner engsten Vertrauten, desgleichen sämtliche erreichbaren Primärquellen und Dokumente, wie auch etliche Aussagen von ehemaligen engen Wegbegleitern wie auch politischen Gegnern. So entstand ein einzigartiges Portrait dieses widersprüchlichen Mannes.

Am Ende bleibt die Frage: „War es ein vertanes Leben?“. Werner Bräuningers Biographie Michael Kühnens gibt die Antwort. Er beschönigt und unterschlägt nichts, sondern zeichnet einen sehr „deutschen“ Lebensweg nach, nicht frei von Ambivalenz und Tragik, wie den politischen Verfehlungen des unruhigen 20. Jahrhunderts überhaupt. Wer die verschlungenen Pfade dieses Lebens verstehen und entschlüsseln will, der muß dieses Buch lesen.

Zusätzliche Information

Autor

Werner Bräuninger

Verlag

Gerhard Hess Verlag

Umfang

englische Broschur, 680 Seiten

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